Workshops

Juni:  Passau
Mai.:  bei Berlin
        ...

Nervensystem

Nervensystem

Im Hinblick auf die Funktion kann dieses komplex aufgebaute System in einen unwillkürlichen und ein willkürlichen Bereich unterteilt werden. Ein Teil des Nervensystems ist von Knochen und durch die Blut-Hirnschranke geschützt. Außerdem ist er von Flüssigkeit umgeben, die mechanische Erschütterungen und Druck abfängt. Dieser Teil wird als Zentralnervensystem (ZNS) bezeichnet. Hier befinden sich die Zellkörper der motorischen Nerven. Die Zellkörper der sensorischen Nerven sitzen in Nervenknoten (Ganglien) über den Körper verteilt und ihre Fortsätze ziehen fast alle in das ZNS. Die intramuralen Systeme sind in die Wände von inneren Hohlorganen eingelagert und verarbeiten Informationen zum Teil unabhängig vom ZNS.

Ein Teil des ZNS ist das Gehirn in der knöchernen Schädelhöhle. Hier liegt es 1100 bis 1500g schwer umgeben von Flüssigkeit und Hirnhäuten. Es besteht aus 100-1000 Milliarden auf Erregungsleitung spezialisierten Nervenzellen (Neuronen) und zu 50% aus Gliazellen, die maßgeblich am Stoff- und Flüssigkeitstransport sowie an der Aufrechterhaltung der Selbstregulierung des Gehirns beteiligt sind. Letztere wirken außerdem im Prozess der Informationsverarbeitung, -speicherung und -weiterleitung mit. Über Seitenwege können Nervenzellen Verbindungen untereinander neubilden. Ihr Zellfortsatz kann sehr lang sein und die Erregung über weite Strecken leiten. Das elektrisches Signal wird erzeugt, indem bestimmte Ionen gezielt durch die Zellmembran geschleust werden. Am Ende wird es über Synapsen an andere Nervenzellen oder Empfängerzellen chemisch (selten elektrisch) weitergegeben.

Das Großhirn hat zwei symetrische Hälften, die durch den Balken verbunden sind. Auf jeder Hälfte sind 4 Gebiete zu erkennen: der Stirnlappen, der Scheitellappen, der Schläfenlappen und der Hinterhauptslappen. Es besteht aus der weißen Substanz, dem Mark mit den Leitungsbahnen und aus der grauen Substanz, der Rinde. Diese ist zuständig für bewußte und unbewußte Handlungen, Gedächtnis und Erinnerung, Sinneseindrücke und deren Interpretation, Gedanken, Emotionen, Spracherzeugung, Lauterzeugung, Temperatur-, Druck- und Schmerzwahrnehmung. Die von hier ausgehenden motorischen Nervenfortsätze kreuzen sich im Nackenbereich, so daß die linke Körperhälfte mit der rechten Gehirnhälfte verbunden ist und umgekehrt.

Im Zwischenhirn sitzt der Thalamus als Umschaltstelle für die eingehenden Signale der meisten Sinnesorgane. Er filtert aus und leitet nur bestimmte Informationen zum Großhirn. Der darunterliegenden Hypothalamus kann über die mit ihm verbundene Hypophyse auch hormonell in Funktionen des Körpers eingreifen. Das unwillkürliche Nervensystem hat hier seine Zentrale (z.B. für Hunger, Durst, Verdauung, Temperatur, Sexualität ...).

Ähnlich aufgebaut wie das Großhirn ist das Kleinhirn. Es steuert Bewegungen, reguliert Gleichgewicht, setzt nach dem Entwurf des Großhirns gezielte Feinmotorik um. Zu diesem Zweck erhält es Informationen vom Bewegungsapparat, vom Gleichgewichtssinn im Ohr und vom Großhirn.

Der Hirnstamm verbindet das Gehirn über das verlängerte Mark mit dem Rückenmark und ist somit Durchgangsgebiet für Nervenfortsätze. Außerdem wird hier die Atmung gesteuert und manche Reflexe (bes. Nasenrachenraum) werden ausgelöst.

Das Rückenmark reicht bis zum 1. Lendenwirbel. In seiner weißen Substanz laufen die Nervenbahnen, in der grauen Substanz sind Nervenkörper. Sensible Nervenfasern gehen über die Hinterwurel hinein, motorische Fasern kommen über die Vorderwurzel heraus.

12 Gehirnnervenpaare führen nicht über das Rückenmark, sondern erreichen ihre Endpunkte direkt. Die Fortsätze der 31 Rückenmarksnerven verlassen das Rückenmark paarig durch die Zwischenwirbellöcher.

Das unwillkürliche Nervensystem steuert alle lebenswichtigen Funktionen. Neben dem intramuralen System hat es die beiden Gegenspieler Sympathicus und Parasympathicus.

Für Leistung und Aktion (z. B. auf Grund von Gefahr) ist der Sympathicus zuständig. Seine Nervenkörper befinden sich vor allem im Bereich der Brustwirbelsäule. Er bewirkt u.a. erhöhte Aufmerksamkeit, Erweiterung der Bronchien, Glucose-Freisetzung in der Leber, Veringerung der Nieren- und Darmaktivität und deren Durchblutung, vermehrte Durchblutung der Skelettmuskulatur, Freisetzung von Fettsäuren, Produktion von Stresshormonen in den Nebennieren, Erhöhung der Herzfrequenz und des Blutdrucks, Erweiterung der Blutgefäße in den Skelettmuskeln und Verengung der Blutgefäße in der Haut.

Der Parasympathicus hingegen ist regenerierend tätig. Seine Nervenkörper sitzen im Hirnstamm und im unteren Teil des Rückemarks. Die Verdauung kommt in Gang. Die Speicheldrüsen produzieren dünnflüssigen Speichel. Magen, Leber und Galle setzen Enzyme frei. Magen- und Darmperistaltik wird erhöht. Die Herzfrequenz und der Blutdruck nehmen ab, die Haut wird stärker durchblutet. Die Geschlechtsorgane werden stimuliert.

Die vorderen Fortsätze der Rückenmarksnerven bilden Nervengeflechte im Bereich von Hals, Lende und Kreuzbein. Vom Kreuzbeingeflecht geht auch der Ischiasnerv aus. Er geht dann in den Wadennerv, den Schienbeinnerv und den Fußsohlennerv über.