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Harnsystem

Harnsystem

Die Unterseite der Nieren beginnt meist etwa 3-4 cm oberhalb des Beckenkamms, rechts und links neben der Lendenwirbelsäule, wobei die rechte Niere meist etwas tiefer liegt. Umgeben sind die bohnenförmigen, etwa 10 cm langen Gebilde zum Schutz vor Kälte und Verletzung von jeweils einer Bindegewebskapsel mit halbflüssigem Fett, die ein wenig Bewegung zuläßt. Die Nebennieren als Hormondrüsen befinden sich beim Menschen auf den oberen Polen der Nieren.

In der körnigen Außenschicht, der Nierenrinde, bilden etwa 1 Million Nephronen den Harn. Von der Nierenarterie kommt über eine Folge von Verzweigungen eine Arteriole in das Glomerulum. Das Blut fließt durch ein Kapillarbett und erreicht über eine Arteriole das Kapillargebiet des Tubulus, ehe es gereinigt wieder in den Blutkreislauf kommt.

Im juxtaglomerulären Apparat werden wichtige Regulierungsvorgänge durch Bildung des Hormons Renin eingeleitet. Durch Renin entsteht in der Leber das gefäßverengend wirkende Angiotensin. Diese wiederum läßt in der Nebennierenrinde Aldosteron freisetzen, welches die Natriumresorption in den Nierenkanälchen erhöht. Die Niere scheidet also weniger Wasser aus. Das Blutvolumen nimmt zu und der Blutdruck erhöht sich. Zusätzlich entsteht Durstgefühl.

Zwischen den Kapillaren des Glomerulum und der es umgebenden (Bowman-)Kapsel tritt durch die Blut-Harn-Schranke der Primärharn und fließt zum Nierenkanälchen (Tubulus). Dort werden 80-90% der Menge (vor allem Wasser, Glucose, Aminosäuren und Ionen) wieder in die Arteriole zurückresorbiert. Hier wird auch der Säuren-Basenhaushalt durch Resorbtion von Na-Ionen geregelt, sowie durch ein Hormon, das Durstgefühl auslöst. Pro Tag entstehen so etwa 1,5 Liter Harn aus 1500 Litern durchfließendem Blut. Der Harn fließt über ein Sammelrohr im Nierenmark in die Nierenkelche, von dort zum Nierenbecken und schließlich in die Harnleiter. Diese gehen von der Niere im rechten Winkel nach vorn und führen auf der Rückwand der Bauchhöhle nach unten, kreuzen den großer Lendenmuskel und die großen Blutgefäße des Beckens ehe sie die obere Harnblase erreichen, innerhalb der Blasenwand verlaufen und am Boden in die Harnblase münden. Dadurch wird bei gefüllter Harnblase ein Rückfluss zur Niere weitestgehend verhindert. Die Harnleiter bestehen aus glatter Muskulatur, die innen mit einer Schleimhaut und außen von einer Bindegewebshülle umgeben ist. Wenn an einer Engstelle Nierensteine hängen bleiben, kontrahiert die Muskulatur krampfartig und versucht die Steine weiter zu transportieren (Kolik).

Zwischen Schambeinfuge und Mastdarm liegt die Harnblase auf dem Beckenboden. Bei einer Füllung von 300-500 ml entsteht meist Harndrang. Da ihre dehnbare Schleimhautauskleidung aus Übergangsepithel besteht, kann sie bis zu 1,5 l Harn aufnehmen und reicht dann bis zum Bauchnabel. An ihrem Ausgang hat sie einen inneren und einen äußeren Schließmuskel. Der Innere besteht aus glatter Muskulatur und unterliegt der Kontrolle des vegetativen Nervensystems, der äußere, ringförmige Schließmuskel kann bewusst gesteuert werden. Zur Harnentleerung kontrahiert die von einer Schleimhaut geschützte glatte Muskulatur der Harnblase zusammen mit der Bauchmuskulatur und die Schließmuskel öffnen sich in einem komplexen Zusammenspiel.

Über die Harnröhre fließt der Harn nach außen. Bei Männern verläuft diese gekrümmt 20 -25 cm durch Prostata (von hier an ist sie auch Samenkanal) und Penis und kommt in der Eichel an die Oberfläche. Bei Frauen ist sie 3 - 4 cm lang und mündet an der Grenze von Scheidenvorhof und Vagina.

Infektionen und Entzündungen (meist mit Bakterien) können in den Harnwegen auftreten, wegen des kürzeren Weges bei Frauen häufiger. Bei Männern können sich eher Steine festsetzen.